Mundartlexikon des Datterich

Aageblick:  
Augenblick.

ab:  
ab sein; weg sein.

abatt:  
à part, beiseite.

Abbedeek (mit schwachtoniger Mittelsilbe):  
Apotheke.

Abgelehkt:  
abgelegt.

abkamesolt:  
abkamisolt, aus dem Kamisol (Hemd) geklopft, geschlagen.

abklavirn:  
abklavieren, auf dem Klavier abgreifen, zusammenreimen.

absenat:  
obstinat, widerspenstig.

absonnerlich:  
zumal, besonders.

abziehe:  
schlagen, verprügeln.

accebdirn:  
akzeptieren, annehmen.

acht basse:  
aufpassen.

Adickel:  
Artikel.

Ah, des –:  
das eine.

Ahgeduhm:  
Eigentum.

akkerat:  
akkurat, sorgfältig.
 
Akzje:  
Aktien.

alterirt:  
alteriert, verärgert.

Algier:  
Ende 1840 war der französische General Thomas Robert Burgeaud als Gouverneur gegen die Algerier ausgesandt worden, nachdem Abd el- Kader 1839 den Heiligen Krieg gegen die Franzosen ausgerufen hatte. 1847 mussten die Aufständischen schließlich kapitulieren. In der Großherzoglich Hessischen Zeitung vom 20. 2. 1841 (Nr 51, S. 239) findet sich eine der Allgemeinen Zeitung entnommene Betrachtung über General Bugeaud als Gouverneur von Algier.

als eweil:  
einstweilen.

als fort:  
ständig, in einem fort.

annerschter:  
anderster; anders.

Asmannsheiser:  
Wein aus Assmannshausen am Rhein.

Ästig, sich – lachen:  
sich einen Ast lachen.

Atzel:  
Perücke; eigentlich Elster, deren geschecktes Federkleid dem Kontrast zwischen natürlichem, veränderlichem und gefärbtem, gleichbleibendem Haar entspricht. Grimms DWb Bd. 1, Sp. 596-597. Begegnet auch in Lichtenbergs Brief an seinen Darmstädter Neffen Friedrich August, 27. 9. 1784 (Atzelbrüder: Glatzköpfige; Briefwechsel Bd 2, 1985, Nr. 1302).

Aussähe, des – bringt’s mit sich:  
das Aussehen lässt darauf schließen.

auszukkele:  
auszuckeln, aussaugen.

azehlt:  
erzählt.

Badderie:  
Batterie, Kopf.

Bafanucius:  
verballhornt aus Paphnutius. Es gibt zwei Heilige dieses Namens; der eine war Bischof in Oberägypten (Thebais) zur Zeit der diokletianischen Christenverfolgung und wurde wegen einiger sonderbarer Vorschläge über die Priesterweihe schon verheirateter Anwärter zu Unrecht für einen Gegner des Zölibats gehalten; der andere war Anachoret in der thebanischen Wüste im vierten Jahrhundert und wurde zum Märtyrer, weil er, als er sich den Verfolgern stellte, grausam gefoltert und an eine Palme genagelt wurde (vgl. Otto Wimmer und Hartmut Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen. Innsbruck u. Wien 1988, S. 634 f.). Niebergall benutzt diesen Namen auch in der Erzählung Liebe und Pflicht Kap. 23. – Die auch gehörte Deutung, dass dem Ausruf eine Verdrehung des Namens Bonifacius, Hessens Heiligem (vielleicht gar in boshafter Anlehnung an Bäfer: Säufer, Fresser) zugrunde liege, halte ich für abwegig.

Bahwoll:  
Baumwolle. fihrt als-nach: führt immer Baumwolle (Watte) mit euch.

Bakedell:  
Bagatelle, Kleinigkeit.

Balleseich:  
Balleseiche; ihr Standort ist ungewiss; damals vermutlich abseits der Stadt im Nordosten. Der Name Balles ist abzuleiten von Balthasar und erscheint missverstanden in Pallaswiese (Pallaswiesenstraße); demnach vermutlich am Rande des Galjevertel (s. d.). Eine Balleswiese gibt es in der Nähe des Messeler Forsthauses; vgl. Theodor Ritsert: Darmstädter Namenbüchlein. Darmstadt 1905, S. 95 f.

er balwirt-se:  
er betrügt sie.

Bappe:  
Papa.

Barbleh:  
aus französisch parapluie: Regenschirm.

basse:  
siehe acht basse

bassirn:  
passieren, zustoßen.

bassirt:  
geht an, passiert, d.h. es reicht aus.

baßt:  
aus französisch passer: passt, wartet; uf Ihne – (DA I, 4): auf sie passt, wartet; es – sich net (DBH II, 3): es gehört sich nicht.

Batsch:  
klatschender Schlag; Ohrfeige (vgl. auch Hamm: Jugenderinnerungen 1926, S. 50. 75).

Batze:  
Batzen, silberne Scheidemünze im Wert von vier Kreuzern (s.a. Hessenbatzen).

Batzelaabche:  
Batzenlaibchen, kleiner Laib Brot, der einen Batzen (vier Kreuzer) kostete.

Bechdraht:  
Pechdraht; Werkzeug des Schuhmachers und Spottname für Schuster.

Beemche:  
Bäumchen.

beetze:  
necken, foppen (eigentlich stoßen, schlagen, vgl. Amboss).

beglahte:  
begleiten.

behihte:  
behüten.

Behm:  
Bäume.

beimache:  
zubereiten.

Belzkapp:  
Pelzkappe; losse Se sich mit der – schieße: d. h. mit einem weichen Gegenstand, der niemanden verletzt.

bemohkelt:  
bemogelt, beim Spiel betrügt (Studentenspr.), ursprünglich jiddisch zur Bezeichnung des Beschneidens oder Kneifens der Karten in betrügerischer Absicht.

Bengler:  
eigentlich Knüppel, derbe Bezeichnung für einen Jungen oder Kerl; Pengler (Klöppler) in frühern Zeiten ein Spottnamen für die Hessen nach der um 1391 entstandenen Klöppler- und Penglergesellschaft, die insgemein eiserne Streitkolben (Klöppel, Kürißpengel) führte. Eingehend dazu Esselborn 1979, S. 304.

Bergsträßer:  
an der Bergstraße gewachsener Wein.

Bessunger:  
Einwohner von Bessungen.

Betze:  
Name der Wirtschaft von Johann Heinrich Betz (* am 27. 5. 1781 als Sohn des Bürgers und Weißvaters Johann Christoph Betz, † am 10. 3. 1843) in dem 1901 abgetragenen Hause Schloßgraben 1.

bezahle:  
bezahlen.

Bihro:  
Polizeibüro.

Biljetche:  
Briefchen.

Bisgewitt:  
Biskuit.

bitterbees:  
bitterböse.

Blamahsche:  
Blamage; die Bezeichnung, die übrigens kein in der französischen Sprache gebräuchliches Wort ist, gehört der Studentensprache an und bedeutet einen Omnibus, aber auch „ein Gefährt, in dem man sich wegen des Passagiers blamiert“, J. Vollmann [ d. i. Christian Wilhelm Kindleben ]: Burschikoses Wörterbuch. Ragaz 1846 [ zuerst 1781 ], S. 369.

Blässur:  
Verwundung.

blatternarwige:  
blatternarbigen.

Blattfihs:  
Plattfüße.

blauer Frakduhr:  
Hämatom.

Bleedigkeit:  
Blödigkeit, Schüchternheit.

bleeslich:  
blößlich, bloß, nur, lediglich.
 
bleiwe-Se nor net aus:  
bleiben Sie nur nicht aus (nicht weg oder nicht draußen?); offenbar ironisch; situativ gemeint ist jedenfalls: trinken Sie das Glas nur nicht ganz aus. (Meid 1975 übersetzt ebenfalls vermutungsweise: „Jetzt reicht es aber, oder ironisch: Nur weiter so“).

blessirt:  
verwundet, verletzt.

Blicher:  
russische Verbündete Preußens verliehen dem preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher während der Befreiungskriege den Spitznamen Marschall Vorwärts. Unter diesem Namen wurde er zu einem volkstümlichen Helden verklärt.

Blihde:  
Blüte.

blimmig:  
geblümt.

blott:  
platt, kahl; – wie e Kerchemaus: kahl, arm wie eine Kirchenmaus, die nichts zu fressen hat.

Blutkreizer:  
letzter Kreuzer.

Boddem:  
Boden.

Bohnemche:  
aus hebräisch panim: Gesicht.

Bole:  
Polen. Russland, Österreich und Preußen hatten sich fast das ganze Territorium Polens durch drei Teilungen 1772, 1793, 1795 und 1815 angeeignet.

Bolezei, Bolezey:  
Polizei.

Bonabatt:  
Bonaparte; Pseudozitat zur Bekräftigung.
 
Bosse; des wehren wahß Gott kah –:  
das wäre Ihnen, weiß Gott, keine Narrenspossen, d. h. keine Kleinigkeit.

Brandbrief:  
Dokument mit dringender und mahnender Bitte um Hilfe.

brandmeßig:  
brandmäßig; auf Brand aus.

Bräsent:  
Präsente, Geschenke.

Bremjeh:  
siehe

bressante:  
dringend, eilig.

Britsch:  
Pritsche, erhöhte hölzerne Lagerstätte.

britsche:  
pritschen, mit der Narrenpritsche (flaches Schlaggerät) behandeln; dich – mehr: dich haben wir zum Besten.

brobber:  
aus französisch propre: sauber, reinlich.

brodkrimmelige:  
brotkrümeliger; – Sack: Tasche, (Hosentasche), worin meist nur Brotkrümel enthalten sind.

Brofession:  
Profession, Beruf.

Brohb:  
Probe.

brotzelt:  
brodelt, kocht; brotzelt-s iwwer: kocht brodelt es über.

Budell:  
aus französisch bouteille: Flasche.

Buffink:  
Buchfink.

bumadig:  
aus slavisch po málu, bayr.-österr. bomáli: allmählich pomadig, gemächlich.

Buschdawe:  
Buchstaben.

Chausseehaus:  
ursprünglich ein zweistöckiges Herrschaftshaus mit Mansardendach und einem Gesindehaus in Bessungen, an der Südwestecke der Bessunger- und Heidelbergerstraße gelegen, ist aber schon auf dem Prospect des hochfürstlichen Residenz-Schlosses und Haupt-Stadt Darmstadt nebst Bessungen des Ingenieurleutnants Jakob Hill vom Jahre 1776 zu erkennen unter der Bezeichnung Neu Pirmasens. Diente um die Mitte des 19. Jhdt.s noch als Rasthaus und bot mit seinen Stallungen Unterkunft für die auf der Landstraße Reisenden und die vielen Fuhrwerke aller Art. Sein schattiger Garten war ein beliebter Aufenthalt für die Darmstädter, namentlich wenn Konzerte im Freien oder Sommerkasinos oder Tanzbelustigungen im Gartensaale abgehalten wurden. 1902 wurde das alte Gebäude abgetragen und durch ein neues, etwas südlicher gelegenes ersetzt. Eine Photographie des alten Chausseehauses bewahrt das Stadtarchiv, eine historisierende Skizze fertigte Hermann Müller ca. 1903-1905 an; gedruckt in dess. Darmstädter Skizzenbuch. Darmstadt 1905, Bl. 18 (2. Aufl. 1925); danach auch bei Kaiser 1974, S. 10 f.

chevaleresk:  
(französisch) ritterlich.

Christine:  
Marie Christine, Königin und Regentin von Spanien, * am 27. 4. 1806 zu Neapel als Tochter Franz I. Königs beider Sizilien, und der Isabella, Tochter des Königs Karl IV. von Spanien, seit 1829 Gemahlin des Königs Ferdinand VII. von Spanien und nach dessen am 29. 9. 1833 erfolgten Tode Regentin für ihre Tochter Isabella (* 1830, † 1904), dankte im Oktober 1840 als Regentin ab und war von 1843 bis zu ihrer Flucht beim Ausbruch der Revolution von 1854 die Seele der revolutionären Vorgänge in Spanien. Zehn Jahre später kehrte sie vorübergehend nach Spanien zurück und starb am 22. 8. 1878 zu Le Havre.

da capo:  
ital. nochmals von Anfang an.

dahfe:  
taufen.

Dahler, breißsche -:  
preußische Taler; Silbermünzen im Wert von 90 Kreuzern.

dähre:  
der (Dat. zu: die).

Dampwäje:  
Dampfwägen; die soeben sich in Europa durchsetzenden von einer Dampfmaschine betriebenen Lokomotiven; gemeint sind die Eisenbahnwagen und -züge.

Dante:  
Tante.

dapper dich:  
tummle dich, spute dich.

Datterich (passim):  
Tatterich; bezeichnet das Zittern der Hände nach starkem und regelmäßigem Alkohol- Abusus. Zur Entstehungszeit des Stückes führte der Darmstädter Finanzbeamte Friedrich Hauser den Spitznamen Datterich. Niebergalls Titelfigur löst sich jedoch von diesem Urbild. Die Namensdeutung, die den Datterich mit „dattern“ (schwätzen) und sie mit seiner Großmäuligkeit in Verbindung bringen will, scheint mir abwegig.

de wilde Katze:  
wohl das Ass im frz. Kartenspiel.

Debch, Deppich:  
Teppich.

Deibche:  
Täubchen.

Deiweleie:  
Teufeleien.

demohneracht:  
unerachtet dessen.

derr:  
dürr.

Dibborjer Judd:  
Dieburger Jude. Die dortige, seit dem Spätmittelater vom Mainzer Erzbischof gegen hohe Steuern geduldete Judengemeinde (mit eigener Judengasse: der heutigen Klosterstraße) betrieben hauptsächlich Handel und galten als ziemlich wohlhabend. Vgl. auch Georg Schmidt: Die Israelitische Gemeinde. In: Dieburg. Beiträge zur Geschichte einer Stadt. Hrsg. vom Magistrat der Stadt. Dieburg 1977, S. 315-317.

diffensil:  
aus französisch diffizil: schwierig, zu behandeln.
 
Dischbuth:  
Disput.

ditto:  
aus lateinisch dito: ebenso.

Diwan:  
unbegründete Furcht vor mutmaßlicher Expansionspolitik des türkischen Sultans; zugleich Verwechslung der Wortbedeutungen von Diwan (türkische Regierung; biedermeierliches Sitz- und Ruhesofa).

diwerdirt:  
divertiert; hier fälschlich gebraucht für avertiert: benachrichtigt.

Dobch:  
Kreisel; – sich uf dem Dobch erum drehe: sich rund herumdrehn.

Dohr:  
Tor; dem – erei: zum Tor herein.

Dohrposte:  
Torpfosten.

Dohtesohnzeig:  
Todesanzeige.

Doktern, des als fort – :  
das ständige zum Arzt laufen.

Don Kallos:  
Anspielung auf das sich stets wandelnde Schicksal von dem zweiten Sohn des spanischen Königs Karl IV. Don Karlos (1788-1855) protestierte 1830 gegen die Aufhebung des Salischen Gesetzes, die ihn um die Thronfolge gebracht hätte. Nach dem Tod seines Bruders Ferdinand VII. am 19. 9. 1833 führte er seit 1834 an der Spitze der nach ihm genannten Partei der Karlisten, die ihn als König Karl V. anerkannten, einen Bürgerkrieg um die spanische Thronfolge gegen Schwägerin und Nichte. Die gegen seinen Willen erfolgte Einigung der Bürgerkriegsgeneräle im Vertrage von Vergara (1839) trieb ihn jedoch ins Exil nach Frankreich (Schloss Bourges). In halber Gefangenschaft lebte er dort, bis er im Mai 1845 zugunsten seines ältesten Sohnes entsagte. Er starb am 10. 3. 1855 in Triest, wo er sich seit 1847 unter dem Namen eines Grafen von Molina aufgehalten hatte.

Dorfzeidung:  
die weitverbreitete und beliebte Dorfzeitung, gegründet von Karl Ludwig Nonne (1785-1854), erschien von 1818-1852 zu Hildburghausen und fand infolge ihrer vortrefflichen Leitung, die sich durch große geistige Regsamkeit, klares und gesundes Urteil über bürgerliche und bäuerliche Verhältnisse, stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und schlagenden Witz auszeichnete, auch über Thüringen hinaus Beachtung und Verbreitung. Vgl. Ludwig Salomon: Geschichte des deutschen Zeitungswesens. Bd 3, Oldenburg u. Leipzig 1900, S. 106 f.

dracdirt:  
traktiert, behandelt.

dräsche:  
dreschen.

Drassem:  
Ohrfeige.

drauerig:  
traurig.
 
Drauwe:  
Trauben, die schon 1670 erwähnte Schenke, der Scheuerhof, erhielt, durch Neubauten erweitert, 1698 die Bezeichnung Der große Trauben, entwickelte sich zu dem seinerzeit vornehmsten Gasthof in Darmstadt. Vgl. Hamm: Jugenderinnerungen 1926, Abb. 7.

Drehne:  
Tränen.

dreidrethig:  
dreidrähtig; aus drei Drähten oder Faden zusammengesetzt, plump unbeholfen.

Dreier Freind:  
treuer Freund; – , Alonso - vage Anspielung auf den Schulmeister in Clemens Brentanos Lustspiel Ponce de Leon (1804: V, 2). (Werke. Hrsg. von Friedhelm Kemp. Bd 4, München 1966, S. 215

Drimb:  
Trümpfe.

drunne:  
drunten; Ihne ihr Spiel is –: Ihr Spiel ist unten durch, verloren.

dudele:  
dudeln, leiern.

Duft, der – muß-en dricke:  
der Reif muss ihn drücken, scherzhafte Verwünschung.

Dunsel:  
aus französisch donzelle: Dunzel, einfältiges Mädchen.
 
duschur:  
aus französisch toujours: immer.

Duus:  
Dose Schnupftabaksdose; ewäck, wie dem Bappe sei –: weg, d. h. verschwunden wie Papas Schnupftabaksdose.

e Katt odder e Scheit Holz:  
Redensart beim Kartenspiel.

Ebbes absetze:  
noch etwas absetzen; d. h. noch Schläge, Hiebe geben.

Eckpilf:  
Bratfleisch von den Weichteilen des Rinds.

Eemense:  
Ameisen.

Eeser:  
(Einzahl: Oos) Äser; Plural zu Aas.

effentliche:  
öffentliche.

eh’s-de:  
ehe du.

Ehkrippel:  
Ehekrüppel.

Ehme:  
aus hebräisch emah: Ängste, Schrecken.

ehnder:  
eher.

ehr wie net:  
eher als nicht; höchstwahrscheinlich, ganz bestimmt.

eigebahzt, – Kellerdihr:  
eingebeizte Kellertüre, das sinnlose Bild soll wohl etwas Unsinniges bezeichnen.

Eil:  
Eule.

Eissere:  
Äußeres.

emal:  
einmal.

Engste:  
Ängste.

eninn:  
hinein.
 
Entrechat:  
(französisch) Luftsprung.

Entrez:  
(französisch) Herein.

Eppelfrah, wann’s nor so ging, wie bei der –:  
nicht recht klar, was bei der Äpfelfrau so schnell gehen soll: das Verkaufen der Äpfel?

er denkt mer:  
ich erinnere mich an ihn.

Erland:  
Irland. Dummbach verdreht oder missversteht die entsetzlichen Tatsachen: die Bewohner Irlands waren nicht das Kartoffelessen leid geworden, sondern litten unter einer von Kartoffelkrankheiten und -missernten hervorgerufenen Hungersnot.

ervorzickt:  
hervorzieht; zur Entzifferung der von der Zensur geschwärzten Stelle vgl. die Textkritik S. 453: abgedankte Minister; es ist hierbei wahrscheinlich an den kurhessischen Minister Hassenpflug (1794-1862) zu denken, der im Juli 1837 entlassen wurde, zwei Jahre später als Zivilgouverneur an die Spitze der Verwaltung des neu einzurichtenden Großherzogtums Luxemburg trat und nach dem Thronwechsel in Preußen im Jahre 1840 dorthin berufen wurde.

eschoffirt:  
echauffiert, erhitzt.

Eselsfreiheit:  
die Freiheit, plump, grob und unverschämt zu sein.

eso:  
gerade so wie.

etzt (itzt):  
jetzt.

ewäck:  
aus mhdt. enwec: hinweg weg, e Wertche – sehkt (DA V, 10) ein Wörtchen ausplaudert.

Ewwerstädter Wasser:  
unter dem Namen der Eberstädter und Mannheimer Wasser wurden in Eberstadt, in der zu Niebergalls Zeit bedeutenden Likörfabrik von Joh. Diefenbach in Eberstadt, einem südlich von Darmstadt gelegenen und inzwischen eingemeindeten Ort, Liköre und Branntwein hergestellt. Die Fabrik bestand unter wechselndem Namen noch nach dem 1. Weltkrieg.

exbräß:  
express, eilig; hier: eigens, ausdrücklich.

Faust:  
(sprich: Geede); Anspielung auf Goethes Faust, der Tragödie erster Teil (1808), Szene: Straße (Vers 2605-2608).
 
Feier:  
Feuer.

Feierahmer:  
Feuereimer; jeder Bürger und damit auch jeder neue Handwerksmeister musste damals einen Wassereimer für die Löschausrüstung der Stadt stiften, der mit seinem Namen auf dem Rathaus der jeweiligen Stadt für ihn im Ernstfall bereitstand.

Feist:  
Fäuste.

Feistche:  
Fäustchen.

Feng:  
Fänge, Schläge.

Ferscht, Ferschte:  
Fürst, Fürsten.

Fiduz:  
aus lateinisch fiducia: Vertrauen.

fihrscht:  
führst.

Fihse, Fihs:  
Füß, Füße.

Fissel:  
aus mhdt. vase, visel: Zeugfaser, Fädchen.

Flabch:  
Flaps, Laffe, Flegel, leichtsinniger Mensch.

Flitch:  
Zipfel; auch die Flügelreste an gebratenem Geflügel werden so genannt.
 
frahe:  
freuen.

Frankforter Schornal:  
Frankfurter Journal; erschien ab ca. 1665 und wurde am 10. 3. 1903 nach 238jährigem Bestehen mit dem Frankfurter Intelligenzblatte verschmolzen. In seiner seit 1822 erscheinenden Beilage Didaskalia erschienen Niebergalls Erzählungen. Vgl. Ludwig Salomon: Geschichte des deutschen Zeitungswesens. Oldenburg u. Leipzig 1900, Bd 1, S. 60-62. 314 f., Bd 2, S. 114-116, Bd 3, S. 134, 280. 326, 401, 407-409. 609 f.

freit:  
freut.

Frosch:  
Knallfrosch.

Gaas:  
Geiße, Ziege.

Gadde:  
Garten. (s. aber a. Gahde, Gahrte, Gorte).

Gäjesekendant:  
Gegensekundant, Beistand und Zeuge der Gegenpartei bei einem Duell.

Galje:  
Gut deitsch odder an Galje! -gut deutsch oder an den Galgen; ein Trinkspruch, den der preußische Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (Fürst von Wahlstatt) Anfang November 1813 in Gießen am Abend seines Einzuges auf dem Durchmarsch nach Frankreich daselbst tat, vgl. Reinhard Kekulé: Das Leben Friedrich Gottfried Welckers, Leipzig 1880, S. 131; Wilhelm von Humboldts Briefe an F. G. Welcker. Hrsg. von Rudolf Haym. Berlin 1853, S. 28. Wie volkstümlich das Diktum zu Niebergalls Zeit war, beweist das Symbolum ächt deutsch oder an Galgen auf einem Stammbuchblatt, das der Büdinger Gymnasialabiturient Briegleb im September 1838 seinem Freunde Fritz Staudinger, dessen Bruder Karl mit Niebergall befreundet war, ausstellte.

Galjevertel:  
Galgenviertel; nach dem Zusammenhang kann nur der sonst auch Watzeviertel genannte Stadtteil in der Gegend der Pankratius- und Arheilgerstraße gemeint sein, der zu Niebergalls Zeit einen rein dörflichen Charakter hatte. Datterich und Schmidt wählten den Weg durch dieses Viertel, um den Haupteingang von dem Herrngarten am Theater zu vermeiden.

Galjevogel:  
Galgenvogel (s. aber auch Textkritik zu DBH ED S. 98).

Gäng:  
Gänge, Schritte.

ganjeh:  
aus französisch gagné: gewonnen.

gästert:  
gestern.

gäwwe:  
gegeben.

gebaßt:  
gepasst, gewartet (s.a. baßt).

gebeezt:  
geärgert.

Gebetbuch, Reiters zwei un dreißigblättrige –:  
siehe
 
gedahlt wie Bole:  
geteilt wie Polen.

gedärmt:  
s. gedermt.

gedeischt:  
getäuscht.

gedermt:  
aus lateinisch terminare, tirmen einem etwas bestimmen, zudenken, voraussagen.

gedraage:  
getragen.

gedrahmt:  
geträumt.

Geethe:  
(sprich: Geede); Anspielung auf Goethes Faust, der Tragödie erster Teil (1808), Szene: Straße (Vers 2605-2608).

geflennt:  
geweint.

geflicht:  
geflüchtet.

Gegikkel:  
Gekicher; Gackern nach Art der Gikkel, der Hähne.

gehahge:  
gehauen (s.a. haag); in seiner Geburt – (DA VI, 3) in seinem Entstehen vernichtet.

gehbt:  
gäbe; gehbt`s (DA VI, 8) (mit eingeschobenem t, vgl. kehmte): gebe es.

gehorschamer Diener:  
gehorsamer Diener (Begrüßungsformel).

Gei:  
Geige.

Geil:  
Gäule.

geit:  
geigt; – Eich hahm (DA II, 3): lasst euch heimgeigen, macht Schluss (der Ausdruck stammt von der auf dem Lande üblic hen Sitte, am Schluss von festlichen Veranstaltungen die letzten Gäste mit Musik nach Hause zu geleiten).

Gäjewatt:  
Gegenwart.

gekohrt:  
gekartet, Karten gespielt.

geleimt:  
getrunken, studentenspr.

Gemaunz:  
weinerliches Katzengeschrei.

Gemorje:  
guten Morgen.

genähjelt:  
genagelt.

Genawend:  
guten Abend.

gennen:  
gönnen.

geräjent:  
geregnet.

geriestert:  
mit Lederstücken (Flecken) versehen, ausgebessert.
 
Gernsem:  
Gernsheim am Rhein, südwestl. von Darmstadt.

geschlahft:  
geschleift.

geschleimt:  
vom Schleim d. h. Geld befreit, vulgär: lackiert, reingefallen.

geschwolle:  
in Verlegenheit, in die Enge getrieben.

gesotze un gekohrt:  
gesessen und Karten gespielt.

gestocke:  
gesteckt.

gestrenzt:  
heimlich entwendet.

gewisse:  
gewiesen.

gewwe:  
geben, abgeben, fungieren als.

Gezäwwel:  
Gezappel; hier: kleine Kinder.
 
gilt:  
kostet.

Giwick, schähler:  
schielender Kiebitz (rotwelsch); schlechter Aufpasser.

Glickstadt:  
Glückstadt; Stadt im damals dänischen Holstein, deren Festungsanlagen von der antinapoleonischen Koalition 1813/14 geschleift wurden.

Gloria:  
Maria II. da Gloria, Königin von Portugal. Die Aussage Dummbachs suggeriert, Königin Viktoria von England und Maria II. da Gloria hätten ihre Kinder zeitnah taufen lassen, doch tatsächlich ließ letztere ihren Sohn Ludwig bereits 1838 taufen.

goldern:  
golden (vgl. Maurers Südhess. Wb 2, 1969-1972, 1413).

greemst:  
grämst.

Greschje:  
Gröschlein.

Grosche zu sechs Heller:  
der Silbergroschen belief sich im Bereich der Münzkonvention auf 12 Pfennige oder 24 Heller (Kupfermünze im Werte eines halben Pfennigs); Datterich bezieht sich hiermit auf den Wertverlust der Koburger Währung.

Grosche, klahne –:  
kleine Silbermünze. In Preußen und Hessen-Darmstadt seit der 1828 beschlossenen Zollkonvention sowie in den Staaten des 1833 gegründeten Deutschen Zollvereins, dem beide Länder angehörten, galt die Währung: 30 Silbergroschen = 1 Taler; 1 Silbergroschen = 12 Pfennige.

Guldesticker:  
Guldenstücke.

Gunnernhause :  
Gundernhausen; damals Pfarrdorf, 10 km östlich von Darmstadt. An der Straße nach Dieburg, heute Ortsteil von Roßdorf.

haagt, hahge, hahgst:  
haue, haut, hauen, haust.
 
Hahmducker:  
Heimtücker.

Halseise:  
Halseisen; Übeltäter wurden noch im Zeitalter des Absolutismus öffentlich ausgestellt und dabei mit eisernen Halsbändern an öffentlichen Orten angebrachten Schandsäulen, Prangern usw. festgehalten.

Hankees:  
Handkäse; mit der Hand geformter Käse.

Hannover:  
die Verfassungsstreitigkeiten in Hannover begannen damit, dass der König Ernst August († 1851) nach seinem Regierungsantritt im Jahre 1837 das Landesgrundgesetz vom 26. 9. 1833 nicht anerkannte und noch vor seiner Inthronisation außer Kraft setzte – de facto ein Staatsstreich. Damit forderte er jedoch den Einspruch der später so genannten Göttinger Sieben heraus, der Professoren Jacob und Wilhelm Grimm, Dahlmann, Gervinus, Ewald, Albrecht und Weber, die zunächst auf dem Verwaltungsweg ablehnten, ihren auf die Verfassung geleisteten Eid außer Kraft setzen zu lassen. Der geborene Darmstädter Gervinus gab eine Kopie des Protestationsschreibens an seine Studenten weiter, die nach einem Schneeballsystem für dessen Verbreitung sorgten, so dass das Schreiben bereits in der Zeitung stand, bevor es den König erreicht hatte. Das führte zur Amtsenthebung der Sieben und sofortigen Ausweisung der drei mutmaßlichen Rädelsführer Dahlmann, Gervinus und Jacob Grimm.

haus:  
heraus.

Hausfreind, hessisch –:  
Hessischer Hausfreund (zuerst Der erzählende Hausfreund), erschien von 1840 bis 1856 in Darmstadt bei dem Buchdrucker Heinrich Jacoby als Unterhaltungsbeilage zum Darmstädter Journal.

hausgelasse:  
draußen gelassen.

Haussteier:  
Aussteuer, Mitgift.

Heeh:  
Höhe.

Heerdwäg:  
Herdweg; führt heute in ost-westl. Richtung im Süden von Darmstadt zum alten Friedhof an der Nieder-Ramstädter Straße; verlief zu Niebergalls Zeit durch die Bessunger Feldmark.
 
Hell:  
Hölle, auch Bezeichnung für den Raum unter dem Schneidertisch, wo der Schneider Lappen sowie bereits von Kunden bezahlte Tücher verschwinden ließ.

Hern:  
Hirn.

herngäje:  
hingegen; dagegen.

Herr Jeh:  
entstellte Kurzform von Herr Jesus.

himmelscheene:  
himmelschöne.

Hitz:  
Mühe.

Hochgestochene:  
Hochnäsigen.

Hocke:  
aut Maurers Südhess. Wb 3, 1973-77, Sp. 636 Kleinhändlerin, Hökerin, hier im Satzzusammenhang als Gegensatz zu Griesheimerinnen gebraucht, die freilich auch Hökerinnen waren.

Hollstall:  
Holzstall.

horche:  
hören.

hordig:  
hurtig.

Horezon:  
Horizont.

Hunnsteier:  
Hundesteuer, welche nach einer Verordnung vom 23. 6. 1827 für jeden Hund 45 Kreuzer betrug. Die Überhandnahme der Hunde und die besorgniserregende Verbreitung der Hundswut führten dahin, dass man in den meisten Nachbarstaaten eine Verminderung der Hunde durch eine angemessene Besteuerung der Tiere herbeizuführen suchte und außerdem strenge Polizeimaßnahmen gegen das Übel ergriff. Diese Bestrebungen, die anderwärts schon seit längerer Zeit praktische Erfolge gezeitigt hatten, führten in Hessen erst am 1. 3. 1842 zu einem Antrag des Abgeordneten Hügel in der Zweiten Kammer, wonach die Steuer für Hunde, welche nur zum Vergnügen gehalten werden, angemessen erhöht werden sollte. Der Antrag blieb aber erfolglos, und erst im Jahre 1853 wurde die Hundesteuer auf zwei Gulden erhöht.
 
Hustledda:  
Hustenleder; volkstüml. Ausdruck für Lakritze.

ihblich:  
übel, schlimm.

in der Reih:  
in Ordnung.

Indresse, mit –:  
mit Interesse; mit Zinsen.

Ingelheimer:  
Wein aus Ingelheim am Rhein, ca. 55 km westlich von Darmstadt.

Insurgente:  
Aufständische, für die 1840 in Portugal besondere Gerichte eingesetzt wurden.

issi:  
aus französisch ici: hier.

iwwadem:  
überdem, überdies.

iwwerdriwwe:  
übertrieben.

iwwerrensig:  
aus mhdt. uberaenzec: übrig, übergenug.

Juddeknechelche:  
nervus ulnaris, auch Musikantenknochen, Mäuschen am Ellenbogen oder Närrisches Joch, an dem der Nerv direkt unter der Haut liegt und ungeschützt ist. Stößt man sich dort, kommt es zu einer schmerzempfindlichen Reaktion, die sich in einem Kribbeln in der Hand äußert. Der Ausdruck Judenknöchlein beruht auf der jüdischen Volksvorstellung von einem kleinen Knochen, dessen Sitz verschieden angegeben wird – zwischen den Wirbelbeinen, im Genick, in den Lenden, am Heiligbein, auch an der großen Zehe – und dessen Härte so groß ist, dass er weder durch Gewalt zerschlagen noch durch Feuer o. ä. vernichtet oder verändert werden kann und unverweslich bis zum jüngsten Tag dauert, wo sich der ganze Mensch wieder daraus entwickelt (Vgl. Max Höfler: Deutsches Krankheitsnamenbuch. München 1899, S. 281). Datterich will also damit veranschaulichen, wie fest Bengler auf ihn geschlagen hat.

kabutt:  
entzwei; – oder en Ranze: kaputt oder einen Ranzen; tot oder sich einen Ranzen anfressen, d.h. auf Biegen oder Brechen.

Kalfakter:  
calefactor (lat. eigentl. Heizer); Zwischenträger, Schwätzer, Verleumder.
 
Kanebee:  
Kanapee, Sitzsofa.

Kawenett:  
Kabinett; Kabinettsstück (eines Narren).

Keeskorb, kah –:  
kein Käsekorb; nichts Greifbares, Konkretes, die Redensart verspottet hypothetische Betrachtungen.

Keesmadde, wie – bleich:  
weiß wie Käsmadde (siehe oben): weiß wie Quark.

kehmte:  
kämen.

Kellerdihr:  
Kellertüre.

Kerb:  
Kirchweihe.

Kerwewalzer:  
Kirchweihwalzer.

kimmt ohgestoche:  
kommt angestochen, kommt vornehm, hochgestochen daher.

Kiß:  
Küsse.

kitt:  
(französisch) quitt, frei.
 
Klanett:  
Klarinette.

Klawatsch:  
Klatschbase (zu erklären entweder als Streckform von klatschen oder als Ableitung aus französisch clabaudage: Kläffen, unnützes Geschwätz).

Kläwwer:  
Käfer (besonders Mai- oder Hühnerkleber).

Klees:  
Klöße.

Klingel – Zwern:  
Knäuel Zwirn.

Knäller:  
minderwertiger Tabak; spielt auf das knisternde, leise knallende Geräusch beim Brennen an.

Knepp:  
Knöpfe, hier: Geldstücke (s.a. Wermercher).

Knierieme:  
Spannriemen, mit dem der Schuster den Schuh beim Nähen auf seinem Knie festhält; bezeichnenderweise benannte Johann Nestroy den Schustergesellen und späteren Schustermeister Knieriem in seinen Possen Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt (1833) und Die Familien Zwirn, Knieriem und Leim oder der Welt-Untergangs- Tag (1834) metonymisch nach diesem Arbeitsgerät.

knill:  
knüll, betrunken, besoffen (Studentenspr.).

Koborjer Grosche:  
eingehend dazu Esselborn 1979, S. 305 f.: Die dem Zollverein angehörenden süddeutschen Staaten, darunter Hessen, setzten 1837 die Währungen aller nicht zu ihrer Münzkonvention gehörenden Staaten außer Kurs oder reduzierten ihren Wert. Das betraf auch das Koburger Geld. Die verrufenen Koburger Sechs- und Dreikreuzerstücke waren ihrem innern Gehalt nach nur 3 Kreuzer 3 Heller und 1 Kreuzer 2 Heller wert. Bereits am 14. 9. 1826 hatte das Großherzogl. Hess. Finanzministerium davor gewarnt (Regierungsblatt S. 258), in eigentlichen Verruf kamen sie erst durch die Münzkonvention der süddeutschen Staaten des Zollvereins (Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Nassau, Frankfurt) vom 25. 8. 1837 (Regierungsblatt S. 477 ff.), wonach alle Scheidemünzen der nicht der Konvention angehörenden Staaten vom 1. 1. 1838 an entweder außer Kurs gesetzt oder auf ihren Silberwert gewürdigt werden sollten, doch sollten die öffentlichen Kassen bis zum 1. 3. 1838 die Sechskreuzerstücke zu 4 Kreuzer (= 12 Heller) und die Dreikreuzerstücke zu 1 ½ Kreuzer (= 6 Heller) annehmen oder umtauschen. S. a. klahne Grosche.

Kohl:  
so en Kohl haw-ich noch net erläbt- so einen Unsinn habe ich noch nicht erlebt; von: Kohl reden.

Kollege:  
Kollegien, Behörden.

König von Werdemberg:  
siehe unter Persje

Konstandenobelidanische:  
Konstantinopolitanische.

koppelirn:  
kopulieren, ehelich verbinden.
 
korjos:  
kurios, merkwürdig.

Kräbbel:  
Krapfen.

Krach:  
Tod; der hat de – ohne Dokder (DA I, 4): der ist tot, ärztliche Hilfe oder eine Totenbescheinigung erübrigen sich.

Krage, de – erausgemacht:  
den (in den Rock eingeschlagenen) Kragen herausgemacht, in Ordnung gebracht, in übertragener Bedeutung: zurechtgewiesen.

krakeelt:  
lärmt, streitet.

krehkt:  
kriegte, bekäme.

Krickmann:  
Krückenmann, d. h. Mann mit Krücken, vielleicht auch Personenname.

krijje:  
kriegen.

Krumstadt:  
Krumstädter Schbital- Hospital zwischen Goddelau und Crumstadt, westlich von Darmstadt, berühmt wegen seiner ‚Irrenanstalt‘ (s. a. Hofheim). Vgl. schon Lichtenberg im Brief an seinen Darmstädter Neffen Friedrich August, 4. 4. 1792 als Umschreibung für Verrücktheit (Briefwechsel Bd 3, 1990, Nr. 2060). Werke 4, 215.
 
Kuh, wann die – en Batze gilt:  
dieser Redensart liegt folgende Scherzfrage zugrunde: Wann kost die Kuh en Batze? Wann fünfzehn (Kih) en Gulde koste (Ludwig Erks handschriftlicher Nachlass in der Berliner Staatsbibliothek, Sammelband 33).

kumbawel:  
aus französisch capable: kapabel, fähig.

Kunne:  
Kunden.

Kur mache:  
den Hof machen.

kuraschirt:  
couragiert, beherzt

Kußmeilche:  
Kussmäulchen; durch Mimik oder Gebärde angedeuteter Kuss.

Läbsucht:  
Lebsucht; verballhornt aus Lebzucht bzw. Leibzucht; Rechtsanspruch auf Lebensunterhalt (vgl. Grimms DWb 6, 1885, 469. 471. 610).

Lahd, alleweil hot er des –:  
nunmehr hat er das Leid, is t er verloren.

Lahdwäse:  
Leidwesen.

lahf, lahft; lahfe losse :  
laufe, läuft; laufen lassen, gehen lassen, in Frieden lassen.

Landlijjener:  
Landlügner, analog zu Landplage jemand, der das ganze Land belügt.

Landschade:  
Schaden, der das ganze Land betrifft, hervorgerufen durch höhere Gewalt wie Krieg, Unwetter und ander e Katastrophen.
 
Lauderbacher:  
Lauterbacher, das Tanzlied Z’ Lauterbach hab’ ich mein Strumpf verlorn.

laut:  
lautet.

Lawerhitte:  
Laubhüttenfest; achttägiges jüdisches Erntedankfest, das fünf Tage nach dem Versöhnungstag – also in der Regel im September oder im Oktober – beginnt.

lehne:  
leihen, borgen.

Lehrgedicht:  
gemeint ist das an die Tänzerin Sophie Lehr gerichtete Gedicht Preciosa, das vermutlich von dem Hofgerichtsadvokaten Adolf Steppes verfasst und am 14. 2. 1841 im Hessischen Hausfreund abgedruckt worden war.

lei:  
lügt.

Leich, zor Leicht:  
Leiche; zum Leichenbegängnis, Beerdigung.

leicht:  
leuchtet; leicht-em: leuchte ihm.

leit mir näwe enanner:  
ist mir einerlei, gleichgültig.

lickt, der – widder, daß die Balke krache:  
ähnlich Fritz Reuter: hei lüggt, dat sick de Balken bögen, zur Bezeichnung der Ungeheuerlichkeit der Lüge.

Limmel, wie mich der – hett schmeiße wolle:  
sobald mich der Lümmel hätte schlagen wollen.
 
Lodderiejudd:  
Lotteriejude; mit Lotterielosen hausierender Jude.

Loh:  
Lohn.

Loschement:  
Logement, Wohnung, Bleibe.

loschirt:  
logiert, (vorübergehend) gewohnt.

Ludwigsheh:  
die Ludwigshöhe ist ein beliebtes Ausflugsziel südlich von Darmstadt. Auf dem nach dem Großherzog Ludewig I. benannten Hügel befinden sich ein Ausflugslokal sowie ein Aussichtsturm.

lumbe:  
wie einen Lumpen, d. h. verächtlich behandeln.

Lumbekerl:  
Lumpenkerl.

lutsche:  
saugen; schlürfen.

Mack:  
Markt.

Madador:  
vier Madador un die Bremjeh- vier Haupttrümpfe (Matadoren) und die cinq premiers (fünf ersten). Der Solospieler hat die fünf ersten Stiche gemacht; das wird bei der Gewinnberechnung besonders gezählt. – Madador: die Trumpf-Reihenfolge im Solo ist: 1. Kreuz-Dame, 2. die Sieben der gewählten Trumpffarbe (aber nur dann); 3. Pik-Dame; diese drei Matadore werden auch Spitzen genannt; danach folgen die Karten der Trumpffarbe in der Reihenfolge As, König, Dame, Bube. Siehe oben zu S. 109, Z. 15.

mähn:  
meine (Mainzer und Frankfurter Mundart).

Mai:  
Main.

Majes:  
(jiddisch) Münze, Geld.

Mammsellche:  
Mademoiselle, Fräulein, Fräuleinchen.

Mannheimer Wasser:  
unter dem Namen der Eberstädter und Mannheimer Wasser wurden in Eberstadt, in der zu Niebergalls Zeit bedeutenden Likörfabrik von Joh. Diefenbach in Eberstadt, einem südlich von Darmstadt gelegenen und inzwischen eingemeindeten Ort, Liköre und Branntwein hergestellt. Die Fabrik bestand unter wechselndem Namen noch nach dem 1. Weltkrieg.
 
Mäßigkeitsverein:  
der Verein gegen das Branntweintrinken war am 12. 11. 1840 in Hamburg gegründet worden, eine von ihm am 18. 1. 1841 abgehaltene öffentliche Versammlung war durch den Pöbel gesprengt worden. Diese hamburgische Emeute erregte in ganz Europa Aufsehen, die Großherzoglich Hessische Zeitung berichtete darüber in Nr 24 vom 24. 1. 1841, S. 98, ausführlicher das Frankfurter Journal Nr 25, 1. Beil. Vgl. Christian Stubbe: Hamburg und der Branntwein. Berlin 1911, S. 93 ff. Hintergrund sind die zur Zeit des Biedermeiers fallenden Preise für Branntwein und der damit einhergehende Alkoholmissbrauch.

Mehwel:  
Möbel.

Meis:  
Mäuse.

melke:  
melken, ‚rupfen‘.

ménager:  
siehe menaschirn.

menaschirn:  
aus französisch ménager: mäßigen.

Menschespiel:  
Menschenmenge (Spiel bezeichnet hier eine unbestimmte sehr große Menge, vgl. Geldspiel).

Mepsche:  
Möpschen.

merwe Daaig:  
Mürbeteig; hier: aus feinerem, empfindlicherem Stoff gemacht.

meschukke:  
aus hebräisch meschuggá: meschugge, verrückt.

Michel:  
die Bezeichnung deutscher Michel, der Koseform von Michael (ahd. starker Mann) kommt als Antonomasie für den Deutschen bereits im 17. Jhdt. auf und wird ab 1815 nach dem Wiener Kongress immer häufiger als Sammelbezeichnung für das deutsche Volk verwendet. Die Formulierung ich bin so e deitscher Michel und sag’s grad, wie mer’sch um’s Herz is geht aber wohl nicht zurück auf das Bekenntnis des Stadtmusikus Miller in Friedrich Schillers bürgerlichem Trauerspiel Kabale und Liebe (1784): Und dann von der Brust weg, Herr Vetter – ich bin halt ein plumper gerader teutscher Kerl (I, 2) (Werke 1, 1980, S. 762), wie gelegentlich in der Niebergall-Literatur behauptet wird (dessen bedarf es gar nicht), sondern zielt auf den schon im 17. Jahrhundert deutscher Michel genannten Michael Obentraut, protestantischen Reitergeneral im 30jährigen Krieg, der im Gefecht bei Seldte gegen Tillys Truppen sein Leben verlor.
 
Michelsdaak:  
Michelstag, Michaelis: 29. September; Zahltag, damals Schulhalbjahrs- und Semesterende.

Mick:  
Mücke, im Darmstädtischen Bezeichnung für Fliege.

Moosregel:  
Maßregel.

Morjendvareine:  
Frühschoppenvereine; eine täglich zusammentreffende gesellige Runde, war nach den Befreiungskriegen im Gasthaus zur Post gegründet worden und hatte unter seinen Mitgliedern verschiedene Beamtengrade wie Assessoren, Räte, Geheimräte (vgl. Philipp Alexander Ferdinand Walther: Darmstädter Historische Kleinigkeiten. Darmstadt 1879, S. 117 f.). Nach seinem Muster scheinen sich später mehrere Vereine ähnlicher Art gebildet zu haben.

muckse:  
sich rühren, einen Laut von sich geben.

mutterselig ellah:  
mutterseelenallein.
 
Na(rr)n:  
Narren.

narrig:  
närrisch.

Naube:  
Naupen; ärgerliche Schwierigkeiten, heimliche Tücken.

näwe enanner:  
nebeneinander; des leit mer – (DA I, 1): das liegt mir nebeneinander, d.h. es hat nichts zu sagen.

Neethe:  
die schlägt mal ihren Mann nach allen neun Noten. Not hier im Sinn von Krankheit oder Sucht und des dadurch hervorgerufenen Zustandes, vgl. schwere Not = Fallsucht; nach alle nei Neethe: die Neunzahl spielt ebenso wie in Sagen, Märchen, Liedern und sprichwörtlichen Redensarten auch in der Volksmedizin eine große Rolle; es gibt neun Suchten, die den Menschen befallen können. Nach allen neun Nöten schlagen bedeutet also alle neun Suchten austreiben. Vgl. Karl Weinhold: Die mystische Neunzahl bei den Deutschen. Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, phil.-hist. Abtlg. 1897, 2, S. 7. 24.

nehdig:  
nötig.

niddergelehkt:  
niedergelegt.

O’Connell:  
Daniel O’Connell, irischer Agitator und Gegner der Union zwischen Großbritannien und Irland, * 6. 8. 1775 zu Carhen, † 15 5. 1847 zu Genua.

obligé:  
siehe oblischirt

obligiert:  
siehe oblischirt

oblischirt:  
aus französisch obligé: verbunden.

Obredd:  
Abrede.
 
obzwackt:  
abzwackt, abspart.

Odem:  
Atem.

ohgehender:  
angehender.

ohgelehkt:  
(Feuer) gelegt.

ohgestoche:  
angestiegen; kommt vornehm daher.

ohrappele:  
aus französisch rehabiller: wiederanziehen, zurechtmachen.

Ohrfei:  
Ohrfeige.

Ohrme:  
die Armen.

Ohrmesje:  
Armeschen, kleines Armes.

ohrmsdicker:  
armsdicker.

Ohrn; dann ich hab mei – net gestohle:  
meine Ohren sind mein Eigentum, sind mir wertvoll.

Ohweschrauwe:  
Ofenschrauben; der beißt kah – ab: der kocht auch nur mit Wasser.

Oosedatterich:  
der schreckliche Datterich.

Oosemick:  
verdammte Mücke.
 
Ooseschuster:  
die verdammten Schuster.

Orndlichkeit:  
Ordentlichkeit.

owwe:  
oben.

Paganini:  
(1782-1840), begnadeter Geigenspieler, der am 8. 9. 1829 im Darmstädter Hoftheater ein Konzert gegeben hatte. Möglicherweise wurde dieses von Niebergall besucht, in jedem Fall hatte er aber davon gehört.

Pährd:  
Pferde.

Particulier:  
Rentner.

pätze:  
petzen, kneifen.

Pederche:  
Peterchen.

perplex:  
verwirrt, verblüfft.

perschwadirt:  
aus französisch persuadé: persuadiert, überredet.

Persje:  
Persien; der württembergische Pferdekauf in Persien scheint kein geschichtlicher Vorgang zu sein, vgl Großherzoglich Hessische Zeitung vom 20. 2. 1841 (Nr 51, S. 239). Es handelt sich also um eine übertriebene Folgerung Dummbachs, die auf die 1841 getroffene Maßnahme der Württembergischen Regierung, alle kriegstüchtigen Pferde des Landes zu registrieren, zurückgeht.

Persuadé / persuadiert:  
siehe perschwadirt.

Philomele:  
einer griechischen Sage zufolge verwandelten die Götter die verfolgten Schwestern Philomela und Prokne in eine Schwalbe und eine Nachtigall; in der römischen Erzähltradition wurde Philomela zur Nachtigall. Renaissance, Barock und Rokoko gebrauchten ihren Namen im poetischen Kontext gern für den Vogel selbst; die epigonale Trivialromantik hielt an dieser Tradition fest.

piano:  
ital.: leise.
 
Pilato:  
von Pontius zu Pilatus, Sprichwort im gleichen Sinn wie: von Hinz zu Kunz, von einem zum andern. Vgl. Röhrichs LdspR 1, S. 95. 2, S. 934. 1183. Wander bemerkt in seinem Deutschen Sprichwörter-Lexikon: Richtiger wäre wohl von Pontius zu Herodes, oder umgekehrt, da man niemand von Pontius zu Pilatus schicken kann (Bd 3, Sp. 1374). Basiert auf der biblischen Erzählung der Passionsgeschichte: Jesus wurde von Pontius Pilatus zu Her odes und wieder zurückgebracht.

Pontio:  
von Pontius zu Pilatus, Sprichwort im gleichen Sinn wie: von Hinz zu Kunz, von einem zum andern. Vgl. Röhrichs LdspR 1, S. 95. 2, S. 934. 1183. Wander bemerkt in seinem Deutschen Sprichwörter-Lexikon: Richtiger wäre wohl von Pontius zu Herodes, oder umgekehrt, da man niemand von Pontius zu Pilatus schicken kann (Bd 3, Sp. 1374). Basiert auf der biblischen Erzählung der Passionsgeschichte: Jesus wurde von Pontius Pilatus zu Her odes und wieder zurückgebracht.

Pordegal:  
Portugal.

Prise:  
eine Prise Schnupftabak.

Protection:  
Gönnerschaft, Förderung.

Raaß:  
Reise.

Racker:  
Schlingel.

Räjescherm:  
Regenschirm.

Ranze:  
Ranzen, Bauch (s.a. kabutt).

Rappel:  
Zustand des Rappelns, Verrücktheit, plötzlicher und unsinniger Einfall; verrückter Anfall. Sprechend Raimunds Rappelkopf . Vgl. gerabbelt.

Raß Kinner:  
eine große Schar von Kindern.
 
rebedirt:  
repediert, wiederholt.

recebirn:  
rezipieren, (als Zunftmitglied) annehmen, aufnehmen; als Mahster – (DA I, 4): als Meister anerkennen.

Rekommandation:  
Empfehlung.

rekonocirn:  
rekognoszieren, auskundschaften.

Reljon:  
Religion; hier: Überzeugung.

Renommeh:  
Renommee, Ruf, Ansehen.

Rheiflejjel:  
Rheinflegel.

Riester:  
Lederflicken auf dem Schuh.

Rijjel:  
Riegel.

Riß:  
Prügel.

Rittstah:  
Rittstein; so wurde ein Teil der Obergasse in der Altstadt genannt; vgl. Diehl 1913, S. 212.

riwwele:  
reiben, bezahlen (von der reibenden Bewegung des Geldzählens). ribbeln, hier: die Fingerbewegung des Bezahlens; Riwwele-Se sich (DA IV, 1): reiben Sie sich.

Roothhaus:  
Rathaus.

roppe:  
rupfen, reißen, auch trinken.
 
Roth:  
Rat.

ruff, rufft:  
rufe, ruft.

Sackduch:  
beim Pistolenzweikampf übers Taschentuch bleibt regulär immer einer der beiden Kontrahenten uf dem Blatz (= stirbt): Ein Sekundant lädt, ohne dass die übrigen Anwesenden es sehen, eine Pistole wirklich, die andere nur zum Schein durch Aufsetzen eines Zündhütchens, so dass sich beide äußerlich nicht voneinander unterscheiden. Dann überreicht er sie dem andern Sekundanten, der in jede Hand eine Pistole nimmt und die Hände auf den Rücken legt, worauf der zur Wahl berechtigte Gegner (in aller Regel der zum Duell Geforderte) mit dem Worte rechts oder links wählt. Der Abstand der beiden Gegner bei dem Kampfe wird dadurch bestimmt, dass sie ein Taschentuch an den Zipfeln fassen. Hans Kufahl und Josef Schmied-Kowarzik: Duellbuch. Leipzig 1896, S. 235 f. Zur Geschichte des Duells vgl. bes. Ute Frevert: Ehrenmänner. Das Duell in der bürgerlichen Gesellschaft. München 1991.

Sadann:  
Satan.

sähjen:  
segne.

salvirt:  
salviert; gerettet, in Sicherheit gebracht.

Schadd davor:  
schade drum.

schähl:  
schielend.

Schandlappe:  
Schandbube, Laffe.

Schanzelupp:  
Schanzlooper, Überjacke, Frauenumhang.

Schbekdakel:  
Spektakel, Lärm.

schblendid:  
splendid, freigebig, glänzend.

Scheffer:  
Peter Schöffer (ca. 1450-1502 oder 1503), Mainzer Buchhändler und Verleger. Ihm wurde in Gernsheim am Rhein ein Denkmal gesetzt, das am 9. 6. 1836 eingeweiht wurde.

Schehs un Pährd:  
Chaise und Pferde.
 
schennerees:  
generös.

Scheppe:  
der Schiefe, Krumme auch als Kosenamen gebraucht, hier der Name eines Handlangers.

Scherzbennel:  
Schürzenbendel.

schiddel, schittele:  
schüttel, schütteln.

Schipp:  
Schippe, Schaufel; von der – (DA V, 7) vonstatten; es wollt ma net so recht von der – (DA V, 7): es wollte mir nicht so recht gelingen.

Schippebihk:  
Schippenpique (scherzhafte Nebeneinanderstellung der deutschen und französischen Bezeichnung der Karte). Schippe + Pique (Pleonasmus).

Schippekeenig:  
Schippenkönig, Pikkönig/in; von jiddisch Schippemalke: Zierpuppe, übertrieben geschminkte Frau. Hans Peter Althaus: Deutsche Wörter jiddischer Herkunft. Ein Lexikon. München 2003.

Schlähchst:  
Schlechteste.

schlähchte:  
hier: böse, durchtrieben. Ansonsten unterscheidet man in Darmstadt zwischen schlecht= moralisch böse und schlacht (auch schleecht) = dumm, blöd. Es wird veranschaulicht an dem Beispiel: schlecht (kurz!) sei, wer seine Frau betrüge, schlähcht (lang!) dagegen, wer es unterlasse.

Schlawitch:  
Schlafittich, Rockzipfel; urspr. Schlagfittich: Schwungfedern des Gänseflügels, später übertragen auf Rockschoß.

Schlee:  
Schläge.

Schlehjerei:  
Schlägerei.
 
Schloßgaß:  
Schlossgasse; führte vom Schloss in östlicher Richtung in die Altstadt.

Schmaaßert:  
Schmaßmick; Schmeißfliege.

Schmolles:  
Schmollis (Studentenspr.) eigentl. Zuspruch beim Brüderschaftstrinken, dann die Duzbrüderschaft selbst (Schmolles trinken).

Schnabbart:  
Schnurrbärte.

Schnuppdewacksduus:  
Schnupftabaksdose.

Schoppebudellche:  
Schoppenfläschchen.
 
Schorsch:  
Georg.

schreckhaft:  
zum Schrecken neigen; hier Schrecken erregend.

Schuck:  
Schuh.

Schuldleit:  
Schuldleute, Gläubiger.

schwatz:  
schwarz.

Schwäwel:  
(Schwebel), Schwefel.

Schwäwelfrag:  
die Schwefelfrage; ein um das Monopol des Schwefelhandels in Sizilien entbrannter Streit zwischen England und Neapel, der 1840 zugunsten Englands geschlichtet wurde. Die Großhherzoglich Hessische Zeitung vom 3. 1. 1841 (Nr 3, S. 9) erwähnt diese Vorgänge in einem Blick auf die Zeitereignisse.

schwernothsstreng:  
verflucht streng.

Schwortemooge:  
Schwartenmagen, große Haube; scherzhaft für: große Haube.

Sechskreizerstick:  
silberne Scheidemünze.

Sekendante:  
Sekundanten.
 
selten, nicht selten:  
doppelte Verneinung in verstärkt verneinendem Sinn (vgl. niemals nie).

selwiger:  
selbiger, derselbe (entweder parodistische Anpassung ans Hochdeutsche oder Eigenname, denn selbiger hieße eigentlich: seller).

serviteur:  
siehe Serwidehr.

Serwidehr:  
aus französisch serviteur: gehorsamer Diener (Höflichkeitsfloskel).

Sich:  
sieh.

sindedeier:  
sündenteuer; sündhaft teuer.

sivelisirde:  
zivilisierten.

Spitz:  
Spitz zu dritt- zweithöchster Trumpf im Solo: die Sieben der Trumpffarbe zusammen mit zwei andern Trümpfen (siehe auch unten zu S. 111, Z. 10). Das Kartenspiel Solo hat sich aus dem älteren spanischen, im 18. Jhdt. in Deutschland führenden L’Hombre entwickelt und ist erst spät im Lauf des 19. Jhdt. s vom heute beliebteren Skat abgelöst worden. Es wird in der Regel zu viert gespielt, über die Regeln orientiert eingehend Albert Stabenow: Ausgewählte Kartenspiele 2, Leipzig 1910, S. 57-81. Vgl. auch (nach Klotz und nicht ganz präzise) Quarg: Was spielt 2015, S. 42 f.

Sponsau:  
Spansau, Spanferkel.

Stab:  
Staub.

Stäcke:  
Stecken; vergeß de – net (DA IV, 6): vergiss den Stock nicht, nimm alles mit.

stehrn:  
stören.

Steifschächter:  
Schetter; steifes Leinwandzeug; als Personennamen urspr. Tuchhändler; im Datterich bezeichnet es vielleicht einen steifen Menschen.
 
Stemmche, e – Hemmel:  
ein Stämmchen, eine Gruppe Hammel.

Sternsknaup:  
leichtes, scherzhaftes Fingerschnipsen an die Stirn.

Stiefgrosche:  
vermutlich stiefmütterlich behandelter Groschen, minderbewerteter Groschen; oder von Stüber abgeleitet.

Stockhaus:  
Gefängnis (für Schwerverbrecher in Abgrenzung zu Zuchthaus – Stock bezeichnet den Block, in dem die Füße des Gefangenen befestigt wurden). Das Stockhaus in Darmstadt befand sich bis in Niebergalls Kindheit an der Stelle des 1832-1834 erbauten Arresthauses.

stootsmeeßig:  
staatsmäßig.

Straußisch:  
Walzer von Johann Strauß (1804-1849), der seit 1824 eine eigene Tanzkapelle leitete, 1835 zum Hofballmusikdirektor in Wien ernannt wurde und wie sein Lehrmeister Joseph Lanner der Wiener Tanzmusik zu weltweitem Erfolg verhalf.

Stube in Dummbachs:  
die Formulierung ist keine Ellipse (scil. Haus), sie wird vielmehr im Sinne von bei Dummbachs gebraucht. Dummbachs ist Plural; es meint: bei den Mitgliedern der Familie Dummbach. Man sagt in Hessen auch: wir gehen in (oder ins) Müllers, d.h. mitten in die Familie.

stumpe:  
stoßen.

stumpirn:  
stumpfen, verstümmeln, verächtlich machen.

stutzen:  
mit den Gläsern anstoßen; stutzt: stößt an, trinkt.

Stuwwediehr:  
Stubentüre.
 
Thern:  
Türme (das Wort geht auf das alte, bis ins 18 Jh. gebräuchliche, Thurn zurück; vgl. Goethe: Götz von Berlichingen. Darmstadt 1774: in Thurn).

uf-em Sack: 
im Bett.

ufdeht:  
auftäte, öffnete.

Uf-en:  
auf ihn! draufgeschlagen!

ufgebrennt:  
abgebrannt, pleite.

ufgemuckst:  
aufgemuckt, aufgepasst, die Ohren gespitzt (vgl. mucken in der Bedeutung eine Bewegung machen).

ufwarte:  
aufwarten.

Ulrichstein:  
Städtchen im Vogelsberg, eine Versetzung dorthin galt früher bei den Beamten als Verbannung.

ungeroppt:  
ungerupft.

unhähmlich:  
unheimlich; hier Mainzer Dialektfärbung, sonst: unhahmlich.
 
unsivelisirder:  
unzivilisierter.

vabäte:  
verbeten.

vabei:  
vorbei.

vabeimaschirn:  
vorbeimaschieren.

vabrehmt:  
verbrämt, verbrannt.

vabrennzelt:  
angebrannt.

vabrummt:  
vielleicht Druckfehler für vabummt = verpumpt, s. d. Textkritik.

vabummt:  
entweder verpumpt: geborgt (Studentenspr.) oder verpumpt im Sinne von pumpen = ausschenken, also: Wein eingegossen.

Vaddamerder:  
Vatermörder, Stehkragen mit abgeknickten Ecken.

vadiene:  
erwerben; verdienen (fig.).

vadrähte:  
zertreten.

vadreest:  
vertröstet.

vadukkelt:  
verheimlicht; verdunkelt.

vafihrt:  
führt, vollführt.

vageistert:  
vergeistert; von bleichem, gespensterhaftem Aussehen.

vageß:  
vergiss.

vagirt:  
vagiert; bewegt sich rastlos, unruhig.

Vagnihje:  
Vergnügen.

vagrehßern:  
vergrößern.

Vahaage, in Kochsticker –:  
in Koch-Stücke zerhauen. Siehe haag.

vakaspert:  
verkaspert (rotwelsch):, zum Narren gemacht; Narrenstreiche, Dummheiten gemacht.

vaniftige:  
vernünftige.

vascheiche:  
verscheuchen.

vasteckele:  
verstecken.

vastehn:  
verstehen; hier: sich leisten können.

Vastehtermich:  
Verständnis, eigentl. Versteht-ihr-mich oder Versteht- Er-mich (alte Militärsprache).

vastunke un valoge:  
erstunken und erlogen.

vatribbelt:  
vertrippelt; zertreten (wie verbrochen statt zerbrochen), heruntergekommen, verdorben.

vazingelt:  
umzingelt, befestigt.
 
verschamerirn:  
aus französisch charmer: vergaffen, verlieben, sich verschamerieren, sich verlieben.

Vertelche:  
Viertelchen, ein viertel Schoppen Schnaps.

Vikdoria:  
Königin Viktoria von England (1819-1901) ließ an ihrem ersten Hochzeitstag, dem 10. 2. 1841, ihre älteste, am 21. 11. 1840 geborene Tochter auf denselben Namen taufen.

vohrt:  
vorhin.

vorgeschuht:  
gesohlt.
 
Vorthel:  
Vorteil.

Wähk:  
Weg.

Wäje:  
(Plural mit Umlaut), Wagen.

Wedda:  
Wetter.

Welle:  
Reisigbündel.

Wermercher:  
Würmchen, von kleinen Münzen gebraucht wie Kröten.

Wersching:  
Wirsing.

Wertche:  
Wörtchen.
 
Weschfrah:  
Waschfrau.

Wetta:  
Wetter.

wie:  
sobald.

winnelwaaich:  
windelweich, weich wie eine Windel.

Wisch:  
Strohbüschel.

wohrte(e): wart(en); Wohrte:  
Warten.

wolfeler, wollfeler:  
wohlfeiler.

Zastreiung:  
Zerstreuung.

zawwelig:  
zappelig.

Zeidungsna:  
Zeitungsnarr.

Zeige:  
Zeuge, Zeugen.

Zeik:  
Zeug.

Zelem:  
(rotwelsch) Unglück, Kreuz.

Zepp:  
Zöpfe; absolutistische Perücken-Mode als Symbol von Untertänigkeit, da Perücken ab der Frz. Revolution nur noch Teil von Amtstrachten sind. Seitenhieb Niebergalls auf die Restauration der Vormärz-Epoche?

Zopp im Werthshaus:  
Rausch im Wirtshaus; wörtl. Zopf, darmstädt. (vgl. Maurers Südhess. Wb 6, 2010, 847; u. a. mit diesem Beleg).

zoppe, zoppt:  
zupfen, zupft.

zubabbe:  
zukleben.

zurickgehuft, zurückgehuft:  
zurückgewichen, auch in Liebe und Pf1icht, Kap. 13 braucht Niebergall das Wort, dem der zum Zurückgehen antreibende Zuruf des Fuhrmanns huf oder hüf zugrundeliegt.

zustachese:  
unbeholfen auf einen zugehen (eigentlich: wie ein Staches, närrischer Mensch, Eustachius, d. h. steif, gespreizt gehen).

zwazzelig:  
zappelig.

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Prof. Dr. Andrea Rapp
Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft
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