Der Datterich von 1841

Die Lokalposse "Datterich" erschien im Jahr 1841, als ein Mann mit eben diesem Spitznamen in Darmstadt lebte und als Vorbild fungierte. Es handelte sich dabei um den Kanzleigehilfen Friedrich Hauser, der am 24. Oktober 1812 in Darmstadt geboren war. Seinen Spitznamen erhielt Friedrich Hauser wegen seiner regelmäßigen Trunkenheit, die sich bereits morgens durch starkes Händezittern bemerkbar machte. Am 02. Juli 1839 wurde Friedrich Hauser nach mehrfachen Ermahnungen entlassen, da er wegen seiner Trunksucht den Dienst vernachlässigte.

Der Datterich als "typischer Darmstädter"

Echte Darmstädter Lokalgesichter und menschgewordene Grundformen der Darmstädter Lebensluft stellen der Datterich sowie seine Mitmenschen Bengler, Dummbach, Spirwes und Knippelius dar.

Die Bewohner Darmstadts sind Anhänger eines fröhlichen und geselligen Lebens. Böse Zungen, spießige, griesgrämige und humorlose Leute könnten diese Eigenschaft als vergnügungssüchtig beschreiben. Doch im Großen und Ganzen sind alle Bewohner solide und lebensfrohe Menschen. In dieser Stadt findet jeder das für ihn Passende und Angemessene, wenn er nur danach sucht.

Wissenschaftler finden beispielsweise genügend Buchhändler und Leihbibliotheken, um ihre Neugier zu stillen und ihr Wissen zu erweitern. Freunde der Musik finden das ganze Jahr hinüber Musikstücke in Theatern oder auf Bällen. Während der Sommermonate, der Exerzierzeit, spielt die Militärmusik jeden Tag in den Morgenstunden, bei ihrem Abmarsch und ihrer Rückkehr, wie auch während der Rastzeit der Exerzierenden auf dem Exerzierplatz selbst.

Als Monumentalbild der Darmstädter Physiognomik gilt der Datterich und die kleinen bitteren Fältchen um den Mundwinkel herum sowie die Krähenfüßchen am Auge machen ihn zum charakteristischen Einwohner dieser Stadt. Die Darmstädter Mimik, Gestik und Rhythmik sind seither sichtbar geworden.

Die eigentümliche Sprache ist so sicher und selbständig, dass kein Einheimischer mit Sicherheit sagen kann, ob es sich um den örtlichen Dialekt oder die Niebergall'sche Dichtersprache handelt.

Tatsache ist, dass den Darmstädtern der Schnabel nach dem Datterich gewachsen ist. Seither gilt es als Pflicht, sich lokale Veranstaltungen auf "datterich" anzusehen, zu verstehen, zu loben, zu lieben, ernst zu nehmen und zu belächeln. Wer sich also zu Darmstadt bekennt, muss sich folglich auch zum Datterich bekennen.

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