Datterichs Äbbelwoi-Stubb

Datterichs Äbbelwoi-Stubb befindet sich in der Bockshaut, ein Restaurant und Hotel in der Nähe des Darmstädter Marktplatzes. Nachdem die Bockshaut 1580 noch ein Pfarrhaus, 1760 eine Gerberei mit einer Bockshaut als Zunftzeichen war und ab 1795 nebenan zusätzlich noch eine Weinwirtschaft mit Weinhandel betrieben wurde, erwarb Gastwirt Friedrich Heiß 1918 das Gebäude. Bis heute ist die Bockshaut noch im Familienbesitz der Familie Heiß, denn seit 1989 betreibt Wirt Reiner Heiß als Geschäftsführer die Bockshaut – das "älteste Hotel Restaurant der Stadt Darmstadt".1

Datterichs Äbbelwoi-Stubb ist ein kleiner separierter Raum, welcher an Datterichs Zeiten erinnert – ein kleiner Stammtischraum zum gemütlichen Schoppentrinken. Auch Datterich höchstpersönlich befindet sich in dem Raum und hat alles im Blick, was hier so vor sich geht – natürlich nicht in Gestalt, sondern als Gemälde festgehalten. Neben diesem Schmuckstück und vielen weiteren Gemälden lassen sich hier auch ein handschriftlich geschriebener Brief von Niebergall und die Vorderseite des Einbandes der Erstausgabe des "Datterich" betrachten.
Obwohl der Raum "Datterichs Äbbelwoi-Stubb" heißt, kann man hier natürlich nicht nur Apfelwein genießen. Es werden auch viele typisch hessische Gerichte angeboten, wie z.B. Handkäse mit Musik, ein Vesperbrett, Kochkäse und vieles mehr, welche die hessische Atmosphäre unterstreichen.2

Ein Besuch der Bockshaut und ein Glas Äbbelwoi in der Stubb ist für Fans des "Datterich" und des hessischen Dialekts also ein absolutes Muss!

Quellen:

1 www.bockshaut.de/DE/ueber-uns/die-geschichte-der-bockshaut/ (letzter Zugriff: 17.08.2014)
2 www.bockshaut.de/uploads/PDF/Datterich_Aebbelwoi_Stubb.pdf (letzter Zugriff: 17.08.2014)

 

 

 

Interview mit Herrn Heiß, dem Besitzer der Bockshaut

Das Gebäude gibt es ja schon seit Jahrhunderten. Seit wann gibt es denn "Datterichs Äbbelwoi-Stubb" schon?

Die ist noch nicht so alt. Also dass dieser Raum diesen Namen trägt, das ist vielleicht erst 10 Jahre so. Die Stube selbst ist natürlich uralt, die hat den Krieg überstanden. Diese Stube ist unzerstörbar, vom Mauerwerk her. Das besteht nämlich aus 1m dickem Stahl.

Wenn der Raum so geschützt und unzerstörbar ist, was war hier denn vorher?

Der ganze Raum ist ein Stahltresor eines früheren Pfandleihauses. Alles andere gibt es nicht mehr, nur der Stahlraum ist stehengeblieben. Die Türen und Fenster wurden später reingefräst und dann wurde der Raum für Stammtische genutzt.

Wie kam es zur Namensgebung des Raumes?

Ich habe mich damals dem Thema hier angenommen, weil Stammtische selbst eher zurückgehen oder aussterben – es gibt heute keine Stammtische dieser Art mehr. Ich wollte hier etwas typisch Hessisches machen und da ich zu den passionierten Apfelweintrinkern gehöre, passte das am besten – also wollte ich eine Äbbelwoi Stubb.

Haben Sie den "Datterich" selbst gelesen?

Ja, natürlich! Hier, (zeigt hinter sich auf einen Bilderrahmen mit Ausstellungsstücken) die Erstausgabe; da hängt auch ein handschriftlich geschriebener Brief von Niebergall, den er 1837 an seinen Freund Karl Valentin geschickt hatte – ein Original.

Bei Ihnen gibt es ja noch weitere Bilder, die an den "Datterich" erinnern bzw. zeigen. Woher stammen diese?

Vieles wird mir zugetragen. Alles, was Sie in diesem Haus sehen, sind Originale. Ich habe hier zum Beispiel ein Original vom Großherzog mit seiner Unterschrift, Porzellan vom Großherzog und Reliefs. Teilweise kaufe ich diese Sachen, aber vieles wird mir von Erben gebracht, weil sie damit nichts anfangen können. Ich sammle alles, was einen Bezug zu Darmstadt hat. Das Gemälde über dem Brief, war damals in der Datterich Klause. Diese hat dann zu gemacht und das Gemälde ist bei einem Kunsthändler gelandet. Ich habe es zu meinem 50. Geburtstag geschenkt bekommen.

Welches Publikum besucht ihr Restaurant bzw. gezielt Datterichs Äbbelwoi-Stubb?

Also vorne im historischen Restaurant befindet sich ein reines Speiserestaurant - da muss man was essen. Hier hinten ist es eher locker. Hier biete ich unter anderem Kochkäse und Handkäse an – also "einfache" Speisen – und hier besteht kein Speisezwang. Oft sind hier Studenten, die in der Stubb ihren Stammtisch haben oder Darmstädter, die hier gemütlich sitzen und ihren Schoppen trinken wollen. Natürlich besteht hier kein Äbbelwoizwang – hier wird auch Bier angeboten.

Kommen viele Gäste auch nur wegen des einen Raumes hierher?

Ja, ich müsste manchmal Eintritt nehmen, alleine schon wegen den ganzen Fotos, die hier drinnen gemacht werden. Hier kommen viele Stadttouristen her, die mit Kameras durch das ganze Haus laufen. Eigentlich stört es uns nicht, nur manchmal muss ich darum bitten, während den Hauptgeschäftszeiten davon Abstand zu nehmen – es soll ja auch keiner beim Essen gestört werden. Ich hatte ja auch schon das Fernsehen hier – also nicht speziell in der Stubb – die hatten über das ganze Haus gedreht.

Könnte Datterich auch Gast der Bockshaut gewesen sein?

Damals gab es unheimlich viele Gasthäuser, aber wir waren absolut ein Gasthaus, das er besucht hätte – also eben von der Art Gasthäuser, die er besucht hat. Daher ist es ja schon fast zwingend gewesen, dass er auch Gast bei uns war. Es hat auch damals vom Wein her gepasst, er hat ja alles außer Bier getrunken - und das alles mit einem leeren Geldbeutel – ja, das ist ja nun das Markenzeichen: "Bezahle, wann mer Geld hat, des is kah Kunst: awwer bezahle, wann mer kahns hat, des is e Kunst, liewer Mann, un die muß ich erscht noch lerne."

 

Zentraler Kontakt

Digital Humanities Darmstadt
Prof. Dr. Andrea Rapp
Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft
Landwehrstr. 50a (S 4 23)
64293 Darmstadt

Postanschrift
Dolivostr. 15
64293 Darmstadt
www.digitalhumanities.tu-darmstadt.de

A A A | Drucken Drucken | Impressum | Kontakt | Suche | Sitemap
zum Seitenanfangzum Seitenanfang